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Penthesileia
CB Anhänger


Alter: 21
Anmeldungsdatum: 12.07.2009
Beiträge: 20
Wohnort: << Feechen desu x3
ireland.gif
BeitragVerfasst: 23/9/2009, 17:50  Titel:  Fairy Tree Nach untenNach oben

Das war eigentlich für eine Onlinezeitschrift gedacht. Aus mir unbekannten Gründen ist sie aber irgendwie...nunja...offline. Daher poste ich die kleine Geschichte mal hier. Thema war "Magische Orte".

Have fun!

Fairy Tree
„Es gab eine Zeit in der ich dachte, Feen gäbe es nur in Märchen. Doch ich irrte mich gewaltig, wie ich feststellen musste. Nach dem Tod meiner Mutter ging mein Vater mit mir und meiner Schwester zu seiner Familie nach Finnland. Wir zogen ins Haus unserer Großeltern am Rande eines kleinen Dorfes mitten in der Wildnis. Die Gegend dort war zwar ungewohnt, aber dennoch wunderschön. Nach kurzer Zeit entdeckte ich auch schon meinen Lieblingsplatz: eine kleine Lichtung, die tief im Wald versteckt war. Mitten auf dieser Lichtung stand ein riesiger, knorriger Baum. Er musste wirklich schon uralt sein. Mir kam es immer so vor, als würde er von innen her leuchten.Außerdem schien er eine Art Schmetterlingshaus zu sein, denn überall wimmelte es von bunten Schmetterlingen. Es war ein wirklich zauberhafter Anblick.
So oft es nur ging, streifte ich durch den Wald zur Lichtung. Dort, unter dem alten Baum, konnte ich meine Sorgen – und meine Trauer – für eine Weile einfach hinter mir lassen und träumen. Ich beobachtete die Schmetterlinge. Manchmal setzte sich einer ganz in meiner Nähe auf eine der wilden Rosen, die auf der Lichtung wuchsen. Oft stellte ich mir vor, die Schmetterlinge seien gar keine Schmetterlinge sondern Feen, die diesen Teil unserer Welt in einen Teil ihrer Welt verwandeln. Eines Tages musste ich feststellen, dass das gar keine Träume waren, sondern Wirklichkeit.
Die erste Begegnung mit einer Fee war an dem Tag, als Papa uns seine neue Freundin vorstellte. Ich war außer mir vor Wut. Wie konnte er Mama nur ersetzen? Liebte er sie den nicht? Ich ließ nicht mit mir reden und haute ab, lief schnurstracks zu „meinem“ Baum. Dort setzte ich mich auf den weichen Waldboden, lehnte mich am Stamm an und ließ meinen Tränen freien Lauf. Ich bemerkte nicht, wie sich die Schmetterlinge um mich sammelten und mir beim Weinen zusahen. Irgendwann hörte ich eine leise Stimme, die mich fragte, warum ich denn weinte. Schluchzend sah ich auf und entdeckte niemanden. Es dauerte ein paar Momente, bis ich registrierte, wer mich angesprochen hatte. Es war eine kleine Fee mit leuchtend roten Flügeln. Ich begriff, dass es mein Lieblingsschmetterling war, denn er setzte sich immer auf mein Knie und hörte mir zu, wenn ich ihm etwas erzählte. Jetzt stellte ich fest, dass es eine sie war. Ich wischte mir die Tränen mit den Ärmel ab und sah auch die anderen Schmetterlinge an. Allesamt waren sie Feen. Verwundert rieb ich mir die feuchten Augen und blinzelte. Nein, ich träumte nicht. Die rote Fee schien meine Verwirrung zu verstehen. „Du träumst nicht, Alva. Wir sind wirklich.“ - „Woher kennst du meinen Namen?“, fragte ich. „Erkennst du mich denn nicht?“ Ich musterte die rote Fee genau. Sie sah meiner Mutter ähnlich. „Du siehst aus wie Mama“, antwortete ich. Die Fee strahlte. „Ich bin – oder war – deine Mama, Alva.“ Ich streckte die Hand aus und sie ließ sich darauf nieder. „Aber, wie ist das möglich?“ Ich verstand das alles nicht. Mama lächelte. „Erinnerst du dich an die Geschichte über das Feenreich, die ich dir einmal erzählt habe?“ Ich nickte. „Ja, du hast gesagt, dass man, wenn man stirbt, sich in eine Fee verwandelt und dann im Feenreich lebt.“ „Ja, mein Kind. Das funktioniert aber nur, wenn man auch wirklich an Feen glaubt.“ Ich erinnerte mich. Mama liebte Feen, sah sie überall. Und jetzt war sie selbst eine. Ich erzählte ihr, warum ich weinte. Mama lächelte wieder und freute sich für Papa, dass er jemanden gefunden hatte, mit dem er sein restliches Leben verbringen wollte. „Weißt du, Alva, es ist nicht gut, wenn man nur traurig ist. Man muss weitermachen, auch wenn ein geliebter Mensch gestorben ist.“ Mama sah mich ernst an. „Auch du musst lernen, damit umzugehen.“ - „Aber ich vermisse dich so, Mama.“ Wieder fing ich an zu weinen. Mama streichelte mir mit ihrer winzigen Hand über die Wange. „Ich vermisse dich auch. Und deine Schwester. Aber ihr müsst beide euer Leben weiterleben. Und jetzt wird es Zeit für dich, nach Hause zu gehen. Papa macht sich sicher Sorgen.“ Mama flatterte von meine Hand, gab mir noch einen kleinen Kuss auf die Wange und flatterte mit den anderen Schmetterlingen weg.“

Die alte Frau lehnt sich in ihrem Schaukelstuhl zurück. Große Kinderaugen schauen sie an. „Und wie geht die Geschichte weiter, Omi? Hast du deine Mama jemals wieder gesehen?“ Alva lächelt ihre Enkelkinder an. „Manchmal habe ich sie wieder gesehen. Meine Schwester und ich lernten mit unserer Trauer umzugehen. Wir akzeptierten die neue Frau an Papas Seite. Leider zogen wir in die Stadt. Aber ich besuchte meine Großeltern so oft es ging. Als ich schließlich alt genug war, zog ich wieder zu ihnen ins Haus. Und ich besuchte den Feenbaum fast jeden Tag. Mama kam aber nicht immer. Nur, wenn ich sie wirklich brauchte. Eure Eltern haben sie auch gesehen, als sie so alt waren wie ihr.“ Die Kinderaugen werden größer. „Wirklich? Omi, ist das wirklich war?“ Wieder lächelt Alva. „Ja. An jedem Geburtstag von jedem meiner Kinder bin ich mit ihnen zum Feenbaum gegangen.“ Mühsam steht die alte Frau auf. „Langsam solltet ihr Kinder wirklich ins Bett.“ „Och nein, Oma...bitte, noch eine Geschichte!“, betteln die Kinder, doch Alva schüttelt den Kopf. Murrend stehen ihre Enkel auf und gehen ins Bett. Alva sieht noch einmal nach jedem, bevor sie langsam nach draußen geht. Sie wandert durch den Wald zur Lichtung. Schwerfällig lässt sie sich auf dem weichen Waldboden nieder. Ein roter Schmetterling kommt und setzt sich auf eine weiße Rose neben ihr. „Hallo Mama. Wir haben uns lange nicht gesehen. Wie geht es dir?“ Der Schmetterling schlägt kurz mit den Flügeln. Alva lächelt. „Mir geht es gut. Ich bin nur müde, sehr müde.“ Alva lehnt sich an den Stamm und schließt die Augen.

Am nächsten Tag finden Alvas Kinder, geleitet von ihren Enkelkindern, den friedlich schlafenden Körper der alten Frau. „Was ist mit Oma? Warum schläft sie hier?“ Die kleinen Kinder verstehen die Welt nicht mehr. Was ist mit ihrer geliebten Oma geschehen? Alvas ältester Sohn entdeckt den roten Schmetterling, der auf einer Rose sitzt. Daneben sitzt ein weißer. Es dauert nicht lange, und er weiß, wo seine Mutter ist. „Eure Oma ist zu einem Schmetterling geworden. Schaut mal da! Eure Oma und meine Oma sitzen nebeneinander und schauen uns zu.“ Die Kinder bestaunen die beiden Schmetterlinge, bevor diese wegflattern.

Alva wird unter dem Feenbaum begraben, so wie sie es wollte, seit sie zum ersten Mal hier gewesen war. Ihre Kinder und Enkelkinder besuchen sie oft. Und auch deren Kinder werden oft hierher kommen, um den Feenbaum zu betrachten – und vielleicht der einen oder anderen Fee zu begegnen.


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