Cinema Bizarre Forum Foren-Übersicht Portal
 Startseite  •  Chat  •  Videos  •  Suchen  •  Shop  •  Registrieren  •  Profil  •  Einloggen, um private Nachrichten zu lesen  •  Login
Board-Regeln !!
Kalender 

Cinema Bizarre News direkt auf Deinen PC [hier klicken]
Nächstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen

Neues Thema eröffnenNeue Antwort erstellen Vorheriges Thema anzeigenDieses Thema verschickenZeige Benutzer, die dieses Thema gesehen habenDieses Thema als Datei sichernPrintable versionEinloggen, um private Nachrichten zu lesenNächstes Thema anzeigen
Autor Nachricht
KaoKaoPulver
Mister Merle


Alter: 22
Anmeldungsdatum: 10.09.2007
Beiträge: 1716
Wohnort: Valiras Rucksack
germany.gif
BeitragVerfasst: 4/11/2007, 20:55  Titel:  Vogelscheuchenliebe Nach untenNach oben

HOHOHO hier habt ihr viel zu lesen! Und das ist grade mal der Anfang zum Anfang.
Wer sich da durchwälzt bekommt 369724054 Gummipunkte.

~~*~~


Ray stand abseits einer belebten Straße vor einem Laden für außergewöhnliche Klamotten - so war es abgemacht - und wartete geduldig auf Kyoka, mit welchem er sich jeden Samstag traf.
Naja, FAST jeden Samstag.
Es war Winter und somit war Hochsaison im Nudelrestaurant, in dem Kyoka arbeitete, also kam es schon mal vor, dass dieser notgedrungen einspringen musste für dessen Arbeitskollegen. Auch an dem heiligen Samstag.
Zumindest war der Samstag für Ray immer heilig. Ob er das für Kyoka auch war? Dachte dieser eigentlich an ihn, wenn er an einem Samstag arbeitete?
Er schüttelte wild den Kopf, um auch diese wirren Gedanken abzuschütteln. Um sich abzulenken und die unerträglich lange Wartezeit zu verkürzen - es war kalt, da waren 15 Minuten schon erheblich bitterböse, aber fast eine Stunde wartete er nun schon! - hockte er sich auf den Boden und tat so, als würde er in seinen Koffer kramen, kramte aber vorher wirklich darin rum um sich eine Kippe anzuzünden. Und als er da unten hockte, schaute er den Mädels in Miniröcken hinterher. Waren die doch selber Schuld, wenn sie in Miniröcken im Winter rumliefen. Das fordert einen doch geradezu auf!
"Na, Spanner~?"
Ray zuckte zusammen und landete unsanft auf seinem Hinter - da er aber hockte, war der Sturz nicht allzu schmerzhaft.
"Kyoka!", rief Ray begeistert und sprang auf, als er in das Gesicht des Schwarzhaarigen sah. Dann verfinsterte sich seine Miene wieder.
"Du hast ganz schön auf dich warten lassen!"
Kyoka verbeugte sich sofort und nahm bei der Gelegenheit schonmal Ray's kleinen Koffer.
"Es tut mir Leid, aber der Zug hatte Verspätung und über die Strecke zieht sich das halt immer mehr in die Länge..." Schuldbewusst sah er wieder auf.
"Wie lang fährst du denn normal, wenn du auf eine Stunde Verspätung kommst?", fragte er und ging langsam in Richtung PrintClub.
Vor circa einem Jahr hatte er Kyoka zufällig dort getroffen und wurde von ein paar Mädchen prompt mit ihm auf ein Foto gebeten, da er selbst Die von Dir en grey gecosplayed hatte und Kyoka Aoi von GazettE. Die Kombination war zwar etwas konfus, aber das machte ja nichts. Ray hatte das PriCla nie aufgeklebt, denn für ihn war es eine Erinnerung geworden. Bevor dieses Foto entstanden war, gehörte er zu einer Gruppe Mädchen in Harajuku, die mit großer Leidenschaft eben diesen fotografiert hatten. Doch Ray selbst wollte nicht wie die Mädchen wirken und hatte nie eines gemacht, obwohl er Kyokas Aussehen schon immer bewundert hatte. Und irgendwann waren sie dann enge Freunde geworden...
"Hey, wenn du die Antwort eh nicht hören willst, hättest du dir die Frage sparen können!", tadelte Kyoka Ray plötzlich und sah ihn vorwurfsvoll an.
Ray schreckte auf. "W-Was?", fragte er verpeilt und sah den Schwarzhaarigen an.
Kyokas verärgerte Mimik wurde zu einem breiten Grinsen.
"Denkst du etwa an ein Mädchen? Wie heißt sie?" In seinen Augen konnte man belustigte Neugierde lesen.
Ray hob eine Augenbraue. "Sie hat schwarzes, kurzes Haar, ist schrecklich niedlich und arbeitet in einem Nudelrestaurant. Am Wochenende trifft sie sich mit ihrer besten Freundin und sie fotografiert gerne, aber am liebsten wird sie selbst fotografiert!", rasselte er im sehr ironischen Ton runter.
Kyoka musste erstmal kurz überlegen.
"MANN! Quatsch! Ich habe daran gedacht, wie wir uns kennen gelernt haben . . . ist bald schon ein Jahr her", sagte Ray und hielt vor dem PrintClub.
Der Andere blinzelte. "In einer Woche um genau zu sein", sagte er und betrat den Laden. "Das müssen wir unbedingt feiern!"
Ray nickte kräftig - und auch ein wenig verwundert, er selbst hatte sich das nicht so genau gemerkt - und ging in eine kleine Ecke, die dafür gemacht war, dass man sich für die kleinen Fotosticker herrichten konnte. Das war immer der Platz, an dem sich die beiden umzogen - zumindest die restliche Kleidung, Hose und alles hatten sie schon an - und sich schminkten. Die Bahnhofstoilette war um diese Zeit immer zu voll und zu auffällig. Immerhin wollte keiner von beiden erwischt werden, bei ihren Tätigkeiten am Wochenende.
Es war das große Geheimnis der Beiden gegenüber den Menschen, mit denen sie sonst zu tun hatten.
Ihre Eltern wären entsetzt, wütend, ja vielleicht würden sie sie sogar hassen, das wussten sie und wenn ihre Chefs Wind davon bekämen, wären sie ihren Job ebenfalls sofort los. Das waren nun mal die Regeln.
Und da sie niemandem trauen konnten, der nicht selbst in der Szene war - es gab schon einige Vorfälle bei Freunden, die sie ebenfalls am Wochenende trafen, zwar nicht so oft, aber halt öfters - fürchteten sie sich meistens.
Doch genau diese Angst reizte die Sache noch mehr. Für ein paar Stunden frei von allem sein, einfach nur Spaß haben und auffallen, dass jeder sah, wie frei sie waren.
So frei wie jetzt. In einem abgeschotteten Laden hocken, sich schminken, von fremden Mädchen umgeben (darunter auch eine Gruppe kichernder Kogals und/oder Ganguros, die in ihre Richtung schauten) und einfach nur man selbst sein.
"Die Idee finde ich gut", bestätigte Ray nochmal und nickte abermals. "Was machen wir denn dann?"
Kyoka zuckte mit den Schultern. "Wir könnten uns ja mal n Zimmer in nem billigen Hotel in der Nähe mieten und uns betrinken", schlug er grinsend vor und griff zum Haarspray, sah Ray mit einem Och-bitte-bitte-Blick an. Ray seufzte und nickte. "Ja. Ich bin für beides. Dass wir uns betrinken und dass du mir meine Haare machen darfst." Er setzte sich hin und wartete bis die Prozedur vorüber war.
Kyoka stellte sich erfreut hinter Ray und machte dessen rotes Haar zurecht, ließ es in alle Himmelsrichtungen abstehen. Zuerst wuschelte er sie auf, bevor er einzelne Strähnen zwirbelte und dem ganzen eine Art Struktur gab.
Eigentlich fand er es schade, die Haare mit so billigen Haarspray zu verkleben, er mochte die roten Haare des Anderen wenn sie glatt herunterhingen. So kam er sich immerhin nicht ganz so weltfremd vor, wenn er selbst nur normale Haare hatte.
Er hätte auch gerne andersfarbige Haare, blaue Spitzen wären klasse - doch er konnte es sich nicht erlauben, die Haare zu bleichen. Er würde sofort seinen Job verlieren, immerhin arbeitete er in einen seriösen Nudelrestaurant. Was das für ein Argument war, wusste er nicht, aber es war halt eins. Ray arbeitete immerhin in einem Getränkeladen und lief nicht ständig vor der Nase der Kunden rum. Er durfte nicht auffallen.
Deswegen kehrte er immer wieder in dieses Viertel zurück, um sich mit Ray zu treffen und Spaß zu haben!
Zufrieden lächelnd schlang er seine Arme um Ray und umarmte ihn lächelnd. Dieser sah ihn irritiert an. "Heh?"
"Nichts nichts, mir war nur danach"
Ray hob eine Augenbraue und nickte verpeilt.
. . .
war ja schon irgendwie süß...
. . .
Er schüttelte den Kopf. "Ich bin verwirrt heute."
Diesmal hob Kyoka die Augenbraue. "Nur heute?" Geschickt wich er den darauf folgenden Tritten Ray's aus, die dank der Plateausohlen eh sehr gebremst angedüst kamen.

~*~*~

Nachdem sie fertig waren und den Laden verlassen hatten, hielt Ray - schon ein wenig stolz - noch immer seine Hälfte des Fotostickerbogens in seiner Hand und betrachtete es. Kyoka schmunzelte, als er das sah. ER hatte seine natürlich nach einem kurzen Blick drüber weggesteckt. ER war ja viel cooler, ER musste nicht ewig gucken. Nur blöderweise hatte kein Mädchen seine Coolness beachtet. Noch nicht mal Ray! Der war mit Anstarren der Fotos beschäftigt. Dabei stand das Original neben ihm.
Wie aufs Stichwort packte Ray seine PriClas doch weg und grinste Kyoka zufrieden mit der Welt an.
"Ich werde Überstunden machen damit ich mir das Hotelzimmer auch leisten kann! Und den Alkohol", erzählte er total zusammenhangslos los.
Sie stellten sich an die nahe liegende Bushaltestelle und machten noch mehr Fotos von sich mit ihren Handys.
Busse waren im Sommer äusserst schrecklich, da der unvermeidliche Körperkontakt im wahrsten Sinne des Wortes äusserst Schweißtreibend war. Doch im Winter war er immer kuschelig warm, auch wenn die Nase anfing zu triefen und man diese nicht putzen konnte. Regeln und so.
Eben so ein voller Bus kam nun an. Die Scheiben waren beschlagen bis auf die Stellen, an denen wirre, bunte Jacken durch die Scheibe blitzten.
Eine menge Menschen quoll geradezu aus dem Bus heraus als er hielt.
Und diese Menschen reagierten alle sehr ähnlich. Sie machten einen Bogen um Kyoka und Ray oder erschraken, wenn sie zu dicht an ihnen vorbei wollten, und sie bisher nicht erblickt hatten. Zuletzt wurden sie von ein paar Tussen missbilligt angeschaut als sie begeistert lachten, da die Reaktionen doch immer wieder lustig waren. In ihren eigenen Augen sahen sie ja harmlos, fast normal aus. Es war halt Winter und ein bisschen Make-Up, eine wilde Frisur und ein roter bzw. schwarzer Mantel und ein dicker Schal - ja, sehr gruselig, natürlich!
Trotzdem sehr zufrieden mit der nicht nachvollziehbaren, aber doch erwarteten Reaktion der Zivilisten stiegen Ray und Kyoka in den Bus und fuhren Richtung Harajuku-Bridge.

------------------------

Etwas deprimiert knuddelte Ray seine Tasche, an welcher mehrere Bilder von verschiedenen Visual-Kei-Bands klebten - hauptsächlich kleine Indie-Bands.
Zurück in die Realität. Es war zum kotzen!
Ein letztes Mal sah er in den Spiegel, um sich noch einmal mit Make-Up zu sehen. So mochte er sich viel mehr als ganz normal in Zivil und alles. Auch die Haare-
"Scheiße!"
Ihm fiel ein, dass seine Mutter noch Zuhause war und er sich nicht die Haare waschen konnte bevor sie seine Haare sah. Was machte er jetzt? Warum hatten Bahnhofstoiletten denn keine Dusche?
Nachdenkend schminkte er sich ab. Kopf unter den Wasserhahn?
...
Das hätte er wohlmöglich sogar getan, wäre es nur ein ~bisschen~ leerer gewesen.
Als die Schminke weitestgehend ab war, lehnte er sich an die Wand und schmollte. Eine ganze Woche grauer Alltag lagen vor ihm!
Die waren ja so schon totale Hölle - er hatte jedesmal Heimweh (er übersetzte das in eine schmerzende Heimkehr), aber wenn er sich auf etwas wahnsinnig freute, dann gingen die Stunden auf der Arbeit so quälend langsam voran, dass er manchmal sogar das Gefühl hatte, dass sogar die grässliche Schlagermusik im Radio in Zeitlupe spielte. Und er hatte etwas, auf das er sich freuen konnte, definitiv.
Seine Gedanken wanderten zum Samstag.
Ganze 24 Stunden hatte er Kyoka ganz für sich alleine. Sein Herz machte einen Freudensprung.
Das war die Gelegenheit, ihn endlich etwas besser kennen zu lernen. Hoffentlich blamierte er sich nicht. Das wäre schrecklich. Am besten trank er nicht so viel Alkohol. Obwohl, wenn er einmal anfing war es meist eh zu spät. Zumal er nicht viel vertrug. Und wenn sich Kyoka dann über ihn lustig machte?
Er raufte sich die Haare und sah noch schlimmer aus.
Nicht besonders behutsam schmiss er seine Sachen in seine Tasche, verließ die Toilette und ging zu seinem Gleis um nach Hause zu fahren.
Er selbst fuhr insgesamt eine Stunde. Wie lange Kyoka wohl fuhr?
Ein Seufzen entwich ihm.
Niemand starrte ihn mehr an, obwohl seine Haare doch so verranzt waren.
Niemand beachtete ihn, vielmehr den Platz neben ihm, der frei war.
Und niemand nahm Notiz davon, als er ausstieg und nach Hause ging.
Es war der einzige Ort, an dem er sich eigentlich erhoffte, dass niemand ihm Beachtung schenkte.
"JUNGE, wie siehst du denn aus, Ken-chan?!?", war seine Begrüßung, als er die Schuhe auszog. Bei dem 'Ken-chan' zuckte er zusammen.
Achja... er hatte ja auch noch einen echten Namen...

-------------------------------------

Freitag Abend, circa 23:45. "Abend". Haha.
Schmollend schaltete Ray den Computer aus. Kyoka war nicht online gekommen. Jetzt wusste er gar nicht, wann sie sich treffen sollten.
Er warf sich auf sein Bett und starrte sein Gazette-Poster bzw. Aoi-Poster an. Er hatte es eigentlich nur, weil es ihn immer an Kyoka erinnerte. Eigentlich war er ja ein Fan... FanGirl? FanBoy? Gab es Fanboys?
Er biss frustriert in sein Kissen. Er hatte seit Samstag nichts mehr von ihm gehört ausser einer SMS in der stand, dass Kyoka die Woche nicht sonderlich viel Zeit hätte wegen der Arbeit.
Er schaute auf sein Handy. Zuletzt draufgeschaut hatte er vor 2 Minuten. Er ließ es lustlos auf den Boden fallen. Okey, heute schaute er nicht mehr drauf.
Schellend ging es zu Boden. Er zuckte zusammen. Das Schellen hatte für ein Bruchteil einer Sekunde wie sein SMS-Alarm geklungen. Scheiß Schlüsselanhänger.
Er stand auf und zog seinen Schlafanzug an, der mittlerweile ziemlich verranzt war, da er beim Haare färben immer herhalten musste. Es sah ein bisschen aus wie Blut... (hehe)
Er stand vor seinem Bett und sah sein Handy an. Naja okey... einmal gucken durfte er ja doch noch. Er hob es auf und klappte es auf. Keine SMS. Er hätte es am liebsten gegen die Wand geworfen, aber dann hätte er genauso wenig eine SMS bekommen. Vielleicht hätte er ja genau dann eine bekommen, wenn sein Handy zerschrottet war. Seufzend legte er sich ins Bett und deckte sich zu. Und sah auf sein Handy. Wenn das Handy gekonnt hätte, hätte es eine SMS geschrieben in der gestanden hätte, dass er das Handy nicht mehr so anstarren solle. Doch das konnte das Handy nun mal nicht...

~*~*~

Und er starrte sein Handy immer noch an.
Ray saß vor dem PrintClub und fror. Er fror so richtig.
Er war bestimmt schon zweimal zum Bahnhof und zurück gegangen um Kyoka abzuholen - doch er war nicht da.
Es war, als sei er verschwunden. Einfach so.
Seine Hände waren bereits kälter als der Boden unter ihm.
Er hielt mit den Händen ja auch sein Handy fest und setzte sie somit unmittelbar dem kalten Winterwind aus.
Sein Körper zitterte, womit er mitleidige Blicke einer Gruppe Decoras auf sich zog, die grade aus dem PrintClub kamen.
Ein Mädchen (das sich wohl ganz im Namen der Erdbeere gekleidet hatte - zumindest trug sie auf ihrer grünen Jacke Erdbeeren in Taschen- Button und Aufnäherformaten, dazu einen roten Rock, eine grüne Strumpfhose und rote Beinwärmer mit weissen Punkten drauf) hockte sich vor Ray hin und sah ihn an.
"Was machst du denn so alleine hier? Wartest du auf jemanden?", fragte sie mit freundlicher, aber dennoch besorgter Stimme. Sie nahm ohne zu fragen Ray's Hände und wärmte sie. Ihre Hände waren durch ihre bunten Stulpen angenehm warm.
Etwas schüchtern nickte Ray. "Schon seit 2 Stunden geister ich hier rum und suche ihn...", sagte er - nein - krächzte er vielmehr. Seine Stimme war schon eingerostet von der kalten Luft in seiner Lunge.
"Warum denn schon so lange?", fragte sie erstaunt. Als sie keine Antwort erhielt, zuckte sie mit ihren Schultern und zog Ray auf die Beine.
"Komm dich erstmal mit uns aufwärmen! Wir gehen in das Café dort-", sie zeigte auf ein Café neben dem PrintClub "- von da kannst du alles durch das Schaufenster überblicken, wenn die gesuchte Person auftaucht und du musst hier nicht frieren."
Sie zog ihn sanft zu den anderen Decoras, die mittlerweile schon wieder mit sich selbst beschäftigt waren und bei Ankunft des Erdbeermädchens von selbst in das Café gingen.
Drinnen war es recht voll, doch die ungefähr 7-Köpfige Gruppe Decoras fand trotzdem relativ schnell einen großen Tisch für sich und Ray.
Das Erdbeermädchen setzte sich neben Ray und nahm sich eine Karte, hielt sie ein wenig zu Ray hin, damit er mit reinschauen konnte.
"Ich hab kein Geld mehr", sagte er, wusste nicht so recht, ob das gelogen war oder nicht. Natürlich hatte er Geld, er hatte doch vorgehabt, mit Kyoka in ein Hotel zu gehen und sich zu besaufen. Doch er meldete sich ja nicht. Noch immer etwas zittrig sah er auf sein Handy, das er kindischerweise noch immer umklammert hielt.
"Meldet sich die gesuchte Person nicht? Ist dir wohl ein wichtiges Treffen, so wie du auf dein Handy schaust, mh?", fragte das Erdbeermädchen als sie sah, dass Ray schon wieder auf sein Handy sah.
Er fühlte sich ertappt und nickte peinlich berührt. Als er von allen Seiten gemustert wurde, packte er sein Handy weg.
Er bereute es nicht, sich der Gruppe angeschlossen zu haben - ES WAR WARM!- aber so richtig wohl dabei war ihm dennoch nicht. Er fühlte sich so fehl am Platz, er war so... farblos. Alle anderen hatten bunte Spängchen im Haar oder Brillenketten in Regenbogenfarben. Sie fielen auf, und er ging darin unter. Das war noch viel schrecklicher als in normaler Kleidung unter normalen Menschen nicht aufzufallen. Also nicht gewollt aufzufallen.
Er hatte sich zwar mit Kayal schon mal die Augen vorsorglich geschminkt und seine Nägel schwarz lackiert, aber ansonsten sah er recht normal aus zwischen den bunten Gestalten, die durch ihre angeregten Unterhaltungen noch mehr auffielen.
Sah man ihm denn schon mit dem bisschen Make-Up an, dass er Visual-Kei und Cosplay mochte oder hatte das Erdbeermädchen allgemein einfach nur so ihn aufgegabelt?
Die Antwort fand sich rascher als erwartet, als ein anderes Mädchen näher an Ray rückte und seine Tasche auf den Tisch legte und die aufgenähten Bilder zu betrachten. Okey, er war einfach nur doof. Mit diesen Bildern musste doch jeder wissen, was er für Musik hörte.
"Hey, du hast ja richtig Geschmack", sagte das Mädchen, das näher gerückt war und strahlte Ray an. "Du hast ja sogar noch MASK drauf! Wie wundervoll, endlich jemand, der nicht sofort eine andere Band drüber näht oder Ersatz sucht!"
Ray sah das Mädchen entsetzt an. Diese schlug sich dann die Hand vor den Mund. "Wusstest du das etwa nicht?"
Eilig winkte Ray ab. "Doch doch, nur ich meine... warum sollte ich sofort was Neues suchen? Die Musik bleibt doch und die Band mag ich immer noch" sagte/krächzte er und war anschließend etwas irritiert, als alle schwiegen und ihn ansahen.
. . .
"AWWW du bist toll!" rief das Erdbeermädchen und umarmte Ray stürmisch. "So muss das sein!", sagte sie und der Rest der Gruppe stimmte dem zu und brachen wieder eifrig in wilde Gespräche aus, die nun aber das Thema Toleranz, Nostalgie und MASK waren.
Auf einmal fühlte sich Ray schon ein bisschen besser. Er hatte wieder das Gefühl in einer Gruppe Gleichgesinnter zu sein. Auch wenn er farblich noch immer nicht dazu passte und er nicht recht wusste mit wem er eigentlich sprach. Aber beim Zweiteren ließ sich nachhelfen.
"Wie heißt du eigentlich? Ich bin Ray", sagte er und wandte sich an das Erdbeermädchen, das sich bereits wieder gelöst hatte.
Sie lächelte ihn an und antwortete: "Ichigo!"
Ray droppte. Ja natürlich. Wie auch sonst?!
Plötzlich zappelte Rays Tasche. Der Besitzer der Tasche quiekte erschrocken auf ehe er hektisch in der Tasche nach dem Handy kramte und es nach einer Weile unkoordinierten Kramen auch endlich herausnahm. Er klappte es auf.
~Nachricht von Kyoka~
Ray sah aus dem großen Schaufenster. Draussen stand Kyoka nicht.
Er öffnete die SMS. Von jetzt auf gleich war seine Laune weit unterm Strich angelangt.
~Kann nicht kommen, muss arbeiten, sorry!~
Nichts weiter. Ray klappte tief durchatmend sein Handy zu. Jetzt bloß nicht den Niedergeschlagenen geben. War gar nicht so leicht, denn Ichigo sah ihn neugierig an.
"Ich bin kurz auf Klo!" sagte Ray dann, als es ihm zuviel wurde und flüchtete hektisch auf das Klo, nahm seltsamerweise sein ganzes Gerumpel mit.
Dort verschanzte er sich auf eine Kabine, setze sich auf den Boden, winkelte seine Beine an und schlang anschließend seine Arme um diese.
Er atmete tief durch. Ein Kloß hatte sich in seinen Hals festgesetzt, sodass sein Atmen beim ausatmen leicht zitterte.
Das war nicht fair! Er hatte sich so gefreut und so ungeduldig gewartet, warum erfuhr er das erst jetzt und vor allem so kurz und unausführlich? Das war doch nicht normal!
Warum war Kyoka plötzlich so gemein? Hatte er was verbrochen oder war etwas über ihn erzählt worden, was Kyoka verletzt hatte?
Ray biss sich auf seine Unterlippe und schloss seine Augen, woraufhin eine einzelne Träne seine Wange runter lief. Und warum verdammt deprimierte ihn das jetzt so unendlich? Er hatte doch jetzt Begleitung für heute und das Geld lief auch nicht weg! Er trat die gegenüberliegende Kabinenwand, die daraufhin bedrohlich knirschte.
Weitere Tränen stiegen in seine Augen, die er an seinen Ärmel abschmierte, und nicht nur das - nein - auch der Kayal befand sich nun auf seinen Ärmel. "Ach, Scheiße...", fluchte er angepisst.
Seinen Tränen kannten ab da keinen Halt mehr und flossen einfach seine Wange hinab. Er hatte keine Lust mit den bunten Wesen herumzuhängen, ihm war die Laune nach Spaß vergangen, aber nach Hause gehen hieß soviel wie aufgeben. Was auch immer er damit aufgeben würde. Zumal er doch so froh war, NICHT zuhause sein zu müssen. Er hatte sogar ein Alibi. Er KONNTE nicht nach Hause. Hätte Kyoka sich nicht wenigstens früher melden können?
"Ray?!" fragte eine fremde, männliche Stimme plötzlich in den Raum rein. Der Angesprochene war verwirrt. Doch als ein lautes Rascheln und Klimpern den Raum erfüllte, wusste er sofort, dass das jemand von den Oshare-Wesen war. Eilig wischte er sich nochmal über die Augen und kam aus der Kabine raus.
Fragend sah er den fremden, bunten Menschen vor sich an.
Dieser verneigte sich sofort ein wenig. "Entschuldige! Ichigo meinte, ich solle nach dir sehen, weil es dir anscheinend nicht gut ginge und sie dich ja schlecht auf dem Männerklo bestalken kann"
Ray hob eine Augenbraue. Er hasste das Wort Stalker. Stalker waren böse. Stalker waren Mädchen die Kyoka verfolgten.
"Ist alles okey" sagte Ray und verneigte sich ebenfalls, versuchte sowas wie ein Lächeln zustande zu bringen. "Ich bin Ray"
~*~*~

Der Junge vom Klo war nicht wirklich der Junge vom Klo sondern Matsuri und war der feste Freund von Ichigos bester Freundin, welche wiederum zuvor Ray´s Tasche so eingehend betrachtet hatte.
Die Gruppe von Decoras war auch nicht wirklich komplett eine Gruppe von Decoras, 2 von den 7 waren eigentlich lieber Gothic Lolitas, die mit Leidenschaft die Kontraste Weiss und Schwarz verkörperten, wesswegen eine Dame hellblonde, fast weisse Locken hatte und ihr Gegenteil glattes, schwarzes Haar. Wahrscheinlich stellten sie auch niedlich und sexy dar, aber das wollte Ray nicht so direkt wissen...
Auch Matsuri war nicht wirklich Decora, er hatte die Sachen nur für seine Freundin an, er kleidete sich an den Wochenende eigentlich eher wie Ray es normalerweise tat.
Jetzt blieb nur noch eine Frage offen.
"Und warum tragt ihr heute nun ALLE Decora-Kluft?"
Prompt wurde ihm ein Flyer in die Hand gedrückt. "graphique:BILD Festival Adventure... Vorgruppe Milky Way..."
Er musterte die Band die auf dem Flyer war. Es beantwortete die Frage wirklich ohne weiteres. graphique:BILD waren bunt, schrill, etwas skurril aber trotzdem recht süß. Unter dem Bild standen einige Daten und Orte, heute spielten sie ein einer Halle relativ nahe des jetzigen Standpunktes.
"17 Uhr? Müsst ihr dann nicht langsam los, wenn ihr noch einen guten Platz haben wollt?" fragte Ray und sah das Mädchen mit den blonden Locken, welches ihm den Flyer gegeben hatte, fragend an.
"In circa 15 Minuten müssen wir los damit wir unsere Bahn kriegen, wir müssen nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen. Wir kommen immerhin wegen der Musik und mittig rockt man halt am besten ab!" antwortete diese mit einen vorfreudigen, begeisterten Lächeln.
"Komm doch mit wenn dich dein Kumpel hat sitzen lassen!" schlug der Kontrast zur Blonden vor. Und dann ging der Dialog los:

Ichigo: Aber Ray-kun hat gar kein Geld! Wie soll er da an ein Ticket kommen`?
Matsuri: Rein schmuggeln?
Blondlocke: Das klappt sowieso nicht
Ray: Ich muss -
Kontrast: Ich kann was leihen?
Mädchen01: Lass uns doch zusammen schmeissen! Ich hab noch ein wenig über
Ichigo: Ich guck mal eben *kram*
Freundin von M: Wir haben auch noch was übrig, weil wir unser Cosplay ja abgebrochen haben, von wegen Stoffgeld
Blondlocke: Wie viel kosteten die Tickets nochmal?
Ray: A-Also ich glaube wenn ich zur Bank gehe hab ich auch noch Geld...?
Ichigo: Aww klasse du kommst mit??

Ray überlegte. Verdammt, er hatte jetzt ja wirklich zugestimmt? Seinem Schicksal ergeben nickte er. Er hatte ja eh nichts besseres vor.
"Gib uns das später wieder, wir sollten los gehen, wir können nach dem Konzert noch immer alles regeln, aber jetzt erstmal nichts wie hin!" sagte der Kontrast zu Blondlöckchen bestimmt und packte ihre Sachen, bezahlte ihren Kakao und stand auf, woraufhin der Rest es ihr eilig gleichtat.

---------------

Ray und Ichigo saßen im Bus und schwiegen glücklich. Ichigo hatte sich bereit erklärt, Ray zum Bahnhof zu begleiten, da es für sie nur eine Verlängerung der Fahrt um 20 Minuten war.
Nun saßen sie im Bus und hörten von Ichigos MP3-Player Musik von graphique:BILD. Das Konzert spielte sich noch in Rays Kopf ab und er war verdammt glücklich, dort gewesen zu sein. Trotzdem stimmte ihn der verpatzte Abend mit Kyoka ein wenig traurig.
Zufrieden seufzend legte Ichigo ihren Kopf auf Rays Schultern und schloss ihre Augen, drehte die Musik ein wenig lauter. Ray musste lächeln. Lag das nun an der Erdbeerdame an seiner Seite oder daran, dass der Text im Lied ironischerweise seine Gefühlslage widerspiegelte – oder doch einfach das grottige englisch?
Eine ziemlich dumpfe Stimme kündigte die Endstation des Busses an und somit löste sich Ichigo mit ebenso dumpfen Geklimper von Ray und ging zur Türe. Ray haute sich auf das linke Ohr und sein Gehör funktionierte wieder halbwegs, nur sein Schädel tat noch gewaltig weh.
„Ich will hier nicht raus“ moserte ihn Ichigo an, als auch er die Türe erreichte. Ray nickte zustimmend und verließ mit Ichigo den Bus und ging in den Bahnhof zur großen Anzeigetafel, die erstaunlich viele Verspätungen Richtung Rays Heimat anzeigte.
„Wenn ich renne, krieg ich meinen Zug noch“ sagte Ichigo heiser und sah ebenfalls zur Anzeigetafel auf.
Ungläubig sah Ray sie an. „Das machst du doch nicht wirklich?“
Ichigo schüttelte zur Antwort heftig den Kopf und rieb sich darauf schwankend die Stirn. Als Ray sie besorgt ansah zeigte sie Zunge rausstreckend Peace. „Headbanging rockt!“
Ray lachte nickend. Dann tauschten sie ihre Zielorte aus und beschlossen, auf Ichigos Gleis zu warten, da Ray´s Zug etwa 15 Minuten später kommen würde, als es Planmäßig sein sollte.
Dort angekommen stellten sie fest, dass es wirklich erstaunlich voll war für diese späte Stunde.
Keinen Sitzplatz findend setzten sie sich abgelegen auf den Boden und seufzten erstmal herzhaft, als sie endlich wieder saßen.
Ray legte diesmal seinen Kopf auf Ichigo Schulter und kramte dabei in seiner Tasche nach seinem Handy und sah es an, ohne es aufzuklappen. Kyoka ließ ihm trotzdem keine Ruhe.
Sollte er um 2 Uhr morgens noch versuchen, ihn zu erreichen? Oder mochte Kyoka ihn auf einmal nicht mehr und wich ihm aus? Dann sollte man das wenigstens sobald wie möglich klären, und das war jet-
Ichigo nahm ihm das sanft aber bestimmt Handy aus der Hand. „Ach Ray, es kommt ein neuer Samstag und so teuer war das Konzert ja jetzt auch nicht, dass euer Vorhaben gleich platzt!“
Ray hatte ihr in der Warteschlange erzählt, warum er in der Kälte gehockt hatte und warum ihm das Warten so zu schaffen gemacht hatte. Und nun wollte sie ihm den Gefallen tun, und die schlechte Laune aus dem Kopfe schlagen, immerhin hatten sie alle viel Spaß gehabt, da war sie sich sicher.
Ray lächelte Ichigo dankbar aber dennoch ein wenig verloren an. Sie hatte Recht. Natürlich hatte sie recht, es war albern, Kyoka so übelst nachzutrauern, er war nicht aus der Welt und der Gedanke, dass plötzlich etwas zwischen ihnen stand war doch absurd immerhin sahen sie sich … nur einmal die Woche wenn nicht etwas dazwischen kommt.
„Ray…? Du weinst ja“ sagte Ichigo und sah den Rotschopf mit großen Augen an. Vorsichtig strich sie ihm eine einzelne Träne weg und lächelte ihn hilflos an, suchte dann schon mal vorsorglich eine Tüte Taschentücher (mit Erdbeeraufdruck) aus ihrer Tasche.
Als Ray die Taschentücher erblickte, lachte er leise und verbarg sein Gesicht in seinen Händen. „Ich bin so lächerlich…“
Ichigo ahnte, was sich hinter den Händen Rays abspielte und umarmte ihn ein wenig.
„Hey, das ist schon fast wieder gruselig, so fertig wie dich das macht!“ sagte sie leicht scherzhaft, mit dem Versuch, Ray irgendwie aufzuheitern.
Doch dieser erwiderte entweder verständnislos oder ein wenig neben der Spur nur ein „Hast du noch nie so überreagiert?“
Ichigo musste nicht lange überlegen. „Natürlich habe ich das, aber das war was anderes!“ sagte sie und schmollte ein wenig.
„Wieso?“ wollte Ray wissen und rieb sich seine Augen.
Ichigo wurde ein wenig verlegen, überspielte das aber gekonnt. „Mich hat mal ein Kerl sitzen lassen, in den ich verliebt war, er hat mich einfach so vergessen. DAS macht wirklich zu schaffen!“ sagte sie und stupste Ray an. Dieser jedoch rührte sich nicht weiter sondern unterdrücke krampfhaft seinen Tränenschwall und schluckte ihn runter wie einen großen Kloß im Hals.
„Auf Gleis 2 fährt nun ein der [insert Zugname here] nach [Ichigos Zielort]“
Ichigo stand auf und zog Ray auf die Beine und drückte ihm sein Handy in die Hand.
„Wir sehen uns wieder, ne?“ fragte Ray und versuchte sowas wie ein Lächeln zustande zu bringen, als Ichigo ihre Hände in seinen Nacken legte, ihn zu sich runter zog und ihre Lippen auf seine legte.
Augenblicklich lief Ray hochrot an und blinzelte Ichigo verwirrt und perplex an. Was war auf einmal los? Hatte er etwas verpasst? Erschrocken schubste er Ichigo von sich und drehte sich weg.
„Entschuldige!“ sagten sie beide wie aus einem Munde und starrten den Boden an.
Als er sich wieder zu Ichigo drehen wollte, war sie schon verschwunden.
Auf einmal hatte er das Gefühl, als wäre mit dem Zug allen Farben weggefahren und zurück blieb nur das grau eines hässlichen Bahnhofes mit hässlichen Menschen.
Welch Ironie das in dem wegfahrenden Zug ein Decora saß. Oder stand. Oder was auch immer.

~*~*~*~*~

Die Züge kamen und kamen nicht. Ray hockte am Gleis, rannte gelegentlich zur Anzeigetafel und hatte sein extra für dieses Wochenende gespartes Geld fast gänzlich aufgebraucht für die Rückfahrt, da sein Tagesticket ja nach 0:00 Uhr abgelaufen war und er ein neues brauchte, ein paar Kaffe gegen die Kälte und die Müdigkeit und einen Notfallrest, man wusste nie was kommen würde.
Das Bahnhofshäuschen auf den Gleisen war bereits geschlossen und die Geschäfte hatten zu. Selbst die Toilette war geschlossen, wesswegen er keine Gelegenheit hatte, sich umzuziehen, geschweige denn, sich abzuschminken. So konnte er nicht mal seine Mutter darum bitten, ihn abzuholen.
Nicht mehr allzu viele befanden sich auf dem Bahnhof, nur noch einige Punks, ein paar Betrunkene, vereinzelt kleine Grüppchen von Gals oder Geschäftsleuten, die nicht nach Hause kamen.
Er sah auf die Batterieanzeige seines MP3-Players, die mittlerweile blinkte und dann augenblicklich zusammen mit der Musik erstarb.
Und mit dem Tod seiner Musik erwachte ein unangenehmes Gefühl in Ray.
Es kam ihm so vor, als würden alle um ihn herum ihn beobachten, ihn auslachen, über ihn reden und jede seiner Taten aufmerksam verfolgen. Gar dass die Batterie alle war hatten sie bemerkt und nun lachten sie darüber.
Ray war bewusst, dass das absoluter Blödsinn war und dennoch war das Gefühl, ohne Musik zu sein, unerträglich.
Man fühlte sich direkt schutzlos und dem normalen Volke ausgeliefert, denn man konnte ihr Getuschel nicht mehr nach belieben übertönen.
Es dauerte nicht mal drei Minuten bis Ray beschloss, sich von seinem letzten Geld neue Batterien zu holen. Er ging möglichst unauffällig die Treppen des Gleises hinab zu den Automaten, in denen man Batterien holen konnte und stellte dort seine Tasche ab.
Möglichst ohne viele Geräusche zu erzeugen suchte er in seiner Tasche nach seiner Geldbörse, jedoch war das eine Sache für sich.
Ray hatte wirklich ALLES mit. Handy, Schminke, Spiegel, Taschentücher, eine Armbanduhr, Stifte, Zettel, Haarspray, Deo, ein Radiergummi, ein . . . Kondom?
Er hob verwirrt eine Augenbraue. Hatte seine Mutter ihm das zugesteckt? Wahrscheinlich.
Jedenfalls war es schier unmöglich, mit soviel Kram in der Tasche und besonders mit seinen vielen Handyanhängern, von denen manche sogar wie ein Glöckchen bimmelten, wenn sie sich bewegten, ruhig zu sein.
Er wollte doch nicht noch mehr auffallen, als er es eh schon tat…
Plötzlich erzitterte die Tasche und seine Handyanhänger klimperten laut los. Hastig suchte Ray nach seinem klingelnden Handy, hatte es in dem Gewühle nach seiner Geldbörse – die er natürlich spontan fand – nach ganz unten geschaufelt und versuchte es mit Not und Mühe zu befreien. Nach einem Ringen mit dem Schlüsselanhänger am Reißverschluss hielt sich Ray halt gebeugt das Handy ans Ohr.
„Rühr dich nicht vom Fleck, ich bin sofort bei dir!“
Ihn durchzuckte ein unangenehmes Gefühl im Magen, als er plötzlich die abgehetzte Stimme am Handy hatte, die auch sofort wieder aufgelegt hatte.
Was sollte das denn jetzt? Wollte er ihn verarschen?
Ray knallte sein Handy in die Tasche zurück.
Das konnte er Kyoka nicht so einfach verzeihen, das musste einen guten Grund haben. Einen VERDAMMT guten Grund! Und diesen wollte er sofort hören. Das machte man nicht, das konnte man gar nicht machen und schon gar nicht –
Alles war vergessen als Ray Kyoka auf ihn zuhechten sah. Ihm war plötzlich alles egal, die Menschen, die ihn nun ansahen, weil Ray sich im Träger seiner Tasche verheddert hatte und trotzdem auf Kyoka zustürmte, seine angestaute Wut, seine Müdigkeit… alles halt!
Kyoka umarmte Ray einfach und drückte ihn so fest er konnte an sich, während er ihm mehrmals schüchtern versicherte, wie Leid es ihm täte. Er wusste, dass es nicht richtig gewesen war, was er getan hatte.
Ray löste sich und sah Kyoka einfach nur an. Letztendlich war er doch einfach nur unendlich glücklich, Kyoka wieder zu sehen. Doch in Kyoka löste das schweigen nur erneut schreckliches Schuldbewusstsein aus.
Er verbeugte sich so tief er konnte, bildete sich schon fast ein, den Geruch von festgetretenen Kaugummi wahrzunehmen. Er rümpfte seine Nase und richtete sich wieder auf.
Ray nahm Kyoka Hände, die gegen seine Erwartungen noch um einiges kälter waren als die seine, und strich sanft mit dem Daumen über den Handrücken. „Ich hasse dich!“

_________________
Image
BANG BANG!

Skorpion  Schlange Versteckt
Mio
CB Anhänger


Alter: 17
Anmeldungsdatum: 21.03.2008
Beiträge: 48
Wohnort: Vorm PC^^
germany.gif
BeitragVerfasst: 22/3/2008, 19:34  Titel:  (Kein Titel) Nach untenNach oben

Is jetzt schon was her das du die geschrieben hast, aber da niemand anderes geschrieben hat dachte ich ich heims mir mal die 369724054 Gummipunkte ein ^^ ich mag die Sory und den Stiel, nur ises halt hart zu lesen , weils so lang is. Very Happy


Krebs  Hund Offline
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:      
Empfehlungen
Neues Thema eröffnenNeue Antwort erstellen Vorheriges Thema anzeigenDieses Thema verschickenZeige Benutzer, die dieses Thema gesehen habenDieses Thema als Datei sichernPrintable versionEinloggen, um private Nachrichten zu lesenNächstes Thema anzeigen

Nächstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen


[Impressum]
Forensicherheit

7136 Angriffe abgewehrt

Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Cinema Bizarre Album, Cinema Bizarre Forum
Powered by phpBB2, based on phpBB © 2001/6 phpBB Group :: FI Theme :: Counter